Vom Himmel hoch, da kommen wir her…

Richtig so: Es geht auf Weihnachten zu. Viel ist die Rede von Geschenken, Plätzchen, falschen Weihnachtsmännern und richtigen, also glaubwürdigen Politikern, wie ein von Guttenberg gern und oft bezeichnet wird.  Von Guttenberg soll also dieses Jahr unser echter Weihnachtsmann sein, schon wegen der Glaubwürdigkeit. Er kommt zwar ohne langen Bart daher, mit alten Zöpfen hält er sich aber auch nicht lange auf. Natürlich hat auch er sein Säckchen zu tragen, aber das ist doch immerhin weit weniger potentiell explosiv als unauffällige Koffer ohne eindeutige Besitzansprüche. Zwar fühlt sich sein Säckchen mittlerweile gut gefüllt an, aber das sind bloß die exorbitanten Hurra-Rufe jener Politikverdrossenen,  die auch längst  nichts mehr gegen Maria und Josef in Kanzler- und Präsidentenamt einzuwenden hätten. Nur bei den Herrschaften aus dem Morgenland will man weniger ein Auge zudrücken: Einmal aus dem Blick verloren, wähnt man ihren Zweitwohnsitz in Pakistaliban, angemeldet zwar, aber doch nur in der Hölle.

  Noch nicht endgültig im Säckchen verstaut hat von Guttenberg liebe Kollegen und Weggefährten. Ihr Platz ist an seiner Seite, denn gerade in der Adventszeit leisten sie ihm wertvolle Dienste für die Einstimmung auf besinnliche Anti-Terrortage. So Guido Westerwelle: Er gilt längst als feuchtwangiger Anhänger der deutschen Weihnacht und ihres marktkonformen Zuschnitts.  Schon sein eigentlicher Beruf als Rechtsanwalt prädestiniert ihn für Glanz und Alltagsferne: Verteidigt wird, was auf den Tisch kommt. Und gegen Weihnachtsgeschenke hat er schon deshalb nichts einzuwenden, weil der Rechtsstaat in der Praxis oft genug auch mehr nur als einladendes Präsent daherkommt. Erst ausgepackt hinterlässt es oft genug Fragezeichen beim Beschenkten, die zuvor noch als angeberischer Gesetzestext zu Robin Hood aufschließen wollten. Aber selbst Westerwelle hat ihn noch nicht zu Gesicht bekommen, den Paragraphenreiter als verspäteten Mitstreiter eines kämpferischen, dabei längst verjährten Wutrudels angelsächsischer Linksreiter.

  Aber wo Weihnachten ist, da ist Hoffnung. Und Hoffnung, so versichern uns die üblichen Hoffnungsträger,  gibt es nach wie vor nicht weder bei McDonalds noch bei Kaufhof noch bei einer Privatbank. Und schon gar nicht am Stück. Gerechtigkeit im Ganzen wäre nämlich ein einziger Alptraum. Jedenfalls für die, die sie kleinteilig als Gesetz oder Wahlkampfrede verpacken. Das macht sie überschaubar. Und erst recht vollkommen ungeeignet als Weihnachtsgeschenk. Am Geburtstag des Herrn darf man schließlich ein Maximum an Anteilen an Utopia erwarten. Dennoch: Auch kleine Geschenke erhalten die Freundschaft. Man muss sie nur herauslesen bzw. heraushören, dann wird schon alles gut. Gut zu wissen jedenfalls, daß es Gesetze und Politiker gibt, die gut schon verwirklicht haben, bevor sich besser und am Besten auf den kürzeren Weg zu Kaufhof und Kontoauszugsdrucker gemacht haben.  Hoffnung ist also doch kein Fremdwort: Wo die Regale voll sind und die Zahlen schwarz, gehen die Festtagskerzen niemals aus. Andernfalls trägt man ihr Licht eben weiter, so wie es unsere üblichen Hoffnungsträger tun. Muß sich ja nicht gleich herumsprechen, daß alles nur Schein ist, um Weihnachten herum sogar sehr, sehr künstlicher Lichterschein.

  Schäuble und Brüderle umgeben sich ebenfalls gerne mit  verfälschenden Signaturen der besten aller Welten, wie sie schon Nordkorea und ungewollte Nachbarschaft überzeugend repräsentieren. Schäuble nimmt – trotz eher ungeeigneten Kurzstreckenfahrzeug – volle Fahrt auf,  wenn es nur dem Abbau von Schuldenbergen dient. Längst trägt er auch keinen praktischen Goldtimer mehr am Arm, in aufopferndem Märtyrergestus hat er sich die Schuldenuhr umgeschnallt. Eine subtile Belastung, die man ihm keineswegs ansieht. Ganz anders als sein ehemaliger Pressesprecher: Die hat man ihm sogar angehört, und weil das schwäbisch klang, war ihm das Mitleid der ganzen Nation gewiss. Wenn ihm das jetzt auch noch deshalb zuteil wird, weil er amtierender Finanzminister ist, hat er viel erreicht. Muss er sich nicht mal extra unter den Euro-Schutzschirm der EU stellen, wie zuvor schon  Griechenland oder jetzt Irland. Von wegen „Grüne Insel“: Als Farbe der Hoffnung verschrien, streift sie allenfalls ihre exemplarischen Schützlinge nur noch ganz am Rande, oder vielmehr: an der Küste. Doch Irland irrt, wenn es die Schuld allein bei den Banken sucht. Es hat auch viel mit Geld zu tun, daß gar nicht vorhanden ist. Alternativ auch mit einer Politik, die sich ebenfalls unsichtbar macht, sobald sie von dieser oder jener Bank um ihren gestreckten Mittelfinger (ab)gewickelt wird. Das hört sich nicht gut an, aber Wirtschafts- und Finanzpolitik legt auch an den hochheiligen Tagen keinerlei Wert auf Werte, die ihre moralische Abstammung beweisen müssen, wenn sie sich zum Kreis der ewigen Verlierer zählen wollen. Investmentbanken haben hier zwar auch schon vorsichtig um Aufnahme gebeten, aber noch immer wurde jenen Politikern der Vorzug gegeben, die weihnachtlich gestimmt auf Frieden und Freude allerseits drängten. Sehr weit sind sie nicht damit gekommen, aber von der Leyen hat es immerhin bis hinter die Grenze der Zumutbarkeit gebracht, und von Familienministerin Schröder hört man gar, daß es echte Kinder gewesen sein sollen, die sie in ihrem Erfahrungsenthusiasmus gebremst haben sollen.

Geht schon, geht schon bald weiter…

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