Ein großartiger Grund zum Jubeln

Kann man gar nicht früh genug mit anfangen: Die Kinderschere, die aufgeht...ist dieser Jubiläums-Artikel leider nicht: Es ist zwar der nunmehr 25ste dekadente Streich, aber irgendwie krieg` ich die Schere nicht mehr aus dem Kopf, die seit ein paar Tagen meinen Schädel aufzuschneiden droht.  Welche Schere gemeint ist?  Jedenfalls nicht die Zensurschere, mit der fuchteln grade die letzten Anhänger von Merkel rum, damit ja keiner spitz kriegt, was die Frau alles nicht drauf hat. Nein, ich mein` die Schere, die momentan vor allem die allerletzten Anhänger der Gerechtigkeit empfindlich piekt:  Jene Schere nämlich, die zwischen Arm und Reich immer weiter aufgeht. Daß das immer so weiter geht und die weniger matte als vielmehr glänzende Spitze ganz bestimmt nicht so schnell ausschert, daß geht aus einer neuen Studie des DIW (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) hervor. Tja, und eben diese Schere, die geht mir nicht mehr aus dem Kopf, und ich weiß auch gar nicht, ob ich die da eventuell operativ entfernen lassen soll. Am Schluss bleiben da noch häßliche Narben zurück,  mindestens so tief und unheilbar wie die eigentliche Ursache der Verletzung…

Gerade mal etwa 10 Prozent der Gesamtbevölkerung besitzen ca. 60 Prozent des Gesamtvermögens der privaten Haushalte. Und das Tempo der antikapitalistischen Volksfürsorge zieht weiter an.  Aber es macht Laune, sich solche Zahlenbeispiele durch den Kopf gehen zu lassen: Immer schön aufmerksam die Kanten der Schere lang, und das Gefühl der Ohnmacht löst alle anderen zeitgemäßen Freizeitvergnügen von Präkariat bis hinauf zum Proletariat ab. Stimmt schon: Das Proletariat hat sich irgendwann mal in Luft aufgelöst. Dafür atmen diese jetzt mehr und mehr die mittleren Schichten, und man muß schon sagen: Soviel besser als früher ist die auch nicht. Nur für die ganz Reichen,  für die wird die Luft langsam ziemlich dünn:  Schon aus dem Grund, weil sie nicht dicker werden darf, sonst könnte man sie nämlich schneiden. Entweder mit der Zensurschere, was aber eher unwahrscheinlich scheint, weil man die zwar oben ansetzt, aber nur unten Ergebnisse sehen will.  Außerdem ist die grade schwarz-gelb farbbandisoliert, da drängen sich ganz andere Scherereien in den Vordergrund!  Und mit der Schere, die derzeit wieder viele Gemüter bewegt, weil sie ja doch nur von linksextremen Bastelkreisen ausgeliehen wird, geht das schon mal überhaupt nicht: Kommt die erst mal mit denen da oben in Berührung, kommt die glatt noch in Versuchung und stumpft total ab. Dann ist die für gar nix mehr zu gebrauchen! Vielleicht noch für Zahlenpanoramen, wie sie immer wieder mal Gerechtigkeitsfanatiker schier umhauen. Oder sie übt sich in neuer Bescheidenheit und speckt ab, zur Kinderschere.  Das wäre ja auch nur fair gegenüber der Öffentlichkeit: Schließlich ist es ja nicht zuletzt die Kinderarmut, die für den Einstieg in bestimmte Zahlenspiele wie geschaffen scheint. Ergötzen wir uns also bei nächster Gelegenheit an einer weit, weit geöffneten Kinderschere. Erstens macht die einen viel, viel niedlicheren Eindruck, und zweitens: Die lässt sich ja längst nicht so weit öffnen wie ihr großes Pendant. Für weniger Wohlhabende ein echter Hoffnungsschimmer, und für die vielen, vielen Reichen die weitaus vorteilhaftere öffentliche Darstellung – eine Kinderschere wird so schnell niemand als Träger einer Hiobsbotschaft begreifen. Aber was heißt hier schon Hiobsbotschaft? Wir haben es einfach nur mit Zahlen zu tun, mit nackten Zahlen, nackt, wie Mammon sie schuf. Tun wir also nicht so, als ob wir nicht so sehr Reichen am Ende mit mehr dastehen…

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