Out of Johannesburg

Der Ballack ist erstmal ab: Der große, wissbegierige Ballbestimmer (EinMeterNeunUndAchtzig, zuletzt gelesenes Buch: Die Biographie von Robbie Williams ) muss zuhause bleiben, ist ja auch längst nicht mehr Görlitz. Immerhin, zur Nahansicht des Nachspiels der Apartheid kann ihn nun keiner mehr verdonnern, aber Johannesburg oder Kapstadt zum Beispiel muss man ja auch nicht unbedingt gesehen haben, schnell und wenig attraktiv Sterben geht anderswo auch schwarz-weiß.

Natürlich schmerzt sein Verlust: Eine deutsche Fußballnationalmannschaft braucht einen wie Ballack. Klar bräuchte sie auch einen wie Völler, Rummenigge und Müller: Aber erstens muß nicht jeder Schuss aufs Tor gleich ein Treffer sein, und zweitens jeder zehnte auch nicht. Zudem geht das Gerücht herum, daß Nelson Mandela die Strafräume aller WM-Stadien für illegal, weil unmenschlich, und damit für fortan nicht bespielbar erklären wird: Damit wären wir erst recht auf die gelegentlichen Weitschuß-Fähigkeiten eines Ballack angewiesen, der jetzt eben aus der Ferne mit anfeuern muss, was vielleicht erst beim fünfzehnten Mal die Scheu vor der Torlinie verliert.

 Zu Ballacks Lieblingsfilmen zählt nach eigener Aussage „Der Pate„, Teil 1 bis 3.  Zwar hing bzw. hängt Ballack gerademal an den Fäden von McDonalds, Adidas und Kon(zern)sorten, aber was ein richtiger Spieler ist, der lässt die Marionette in sich niemals in Stich. Am Ende jedoch zählen ausschließlich die Sympathiewerte, und die drücken weder zur Schau gestellter Massenkonsum von Fleisch in den Keller noch der gutmütige Hinweis auf lohnentfremdete Textilarbeiterinnen am Sozial-Arsch der Welt. Das gewinnende, anziehende Lächeln von Michael Ballack, das macht aus einem blauen Planeten einen grünen der Hoffnung: Der Hoffnung darauf, daß Ballack bald wieder genesen und wohlauf ist. Wir wollen Ballack hungrig nacheifern in seiner Wissbegierigkeit und uns erklären lassen, warum sein Knöchel Aua gemacht hat und große Teile Deutschlands deswegen nicht mehr schlafen können. Ich jedenfalls drück` ein Auge zu, wenn ich schon beide nicht zubekomme:  Das ist alles halb so schlimm. Voll so schlimm aber ist es, wenn Ballack „King Kong“ als unterhaltsamen Kinofilm mißversteht: Da steht ein Riesenaffe auf einem Wolkenkratzer und hält eine Frau in seinen Händen. Nicht, daß er das wirklich zugeben wollte, aber: Könnte es nicht sein, daß  Ballack sich selbst darin wiederzuerkennen glaubt? Als jemand, der ganz oben angekommen ist, um Miss Deutschland mit seinem primatonnenartigen Kampfgebrüll auf seine Seite zu ziehen?

Michael spielt auch gerne Golf. Sein Handicap beträgt 22. Das ist eine beeindruckende Zahl, auf die Michael stolz sein kann. Aber Michael versteht es auch sonst zu beeindrucken: Er spielt nämlich mit seinen Kindern. Vielleicht hat er Ihnen ja sogar eine Marionette zum Geburtstag versprochen: Also ich fände einen Familienvater toll, der sich selbst zum größten Geschenk seiner Kinder macht…

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